Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung: „Mittsommer! Stimmungslandschaften des Nordens 1880–1920“ präsentiert erstmals im größeren Umfang Leihgaben aus der Sammlung der Familie Fielmann. Wer die Landschaftsgemälde im Museum bewundert, denkt wohl kaum darüber nach, wie die Kunstwerke ihren Weg an die Wände des MKdW gefunden haben. Der zweiwöchige Ausstellungsumbau findet hinter verschlossenen Türen statt. Welche Arbeitsschritte nötig sind, damit eine neue Schau eröffnet werden kann, zeigt ein Blick hinter die Kulissen.
Vor dem Aufbau, muss zuerst die vergangene Ausstellung abgebaut werden. Soweit ganz logisch. Bilder abnehmen, einpacken und weiter geht’s. So einfach ist das leider nicht. Die Kunstwerke hingen über ein halbes Jahr an ihren designierten Plätzen und wurden von vielen Besuchenden bewundert. Um sicherzugehen, dass in dieser Zeit keines der Gemälde Schaden genommen hat, wird jedes von ihnen genauestens unter die Lupe genommen. Die Restaurator*innen begutachten die Kunstwerke und protokollieren dabei jede kleinste Auffälligkeit. Dieses Prozedere findet vor und nach jeder Ausstellung statt. Sollte ein Schaden entstanden sein, lässt sich so nachvollziehen, wann dieser aufgetreten ist. Besonders bei Leihgaben aus anderen Museen oder privaten Sammlungen ist das wichtig.

Während die Restaurator*innen Dorothée Simmert und Markus Freitag ihrer Arbeit nachgehen, sind die Museumstechniker schon mit anderen Dingen beschäftigt: Die Saaltexte müssen entfernt werden, damit die Wände in ein paar Tagen, wenn die Bilder abgeholt worden sind, einen neuen Anstrich bekommen können. Der Ausstellungsumbau ist eng getaktet.

Die vorherige Schau „Momente der Klarheit – Janus la Cour und das neue Bild der Natur“ reist weiter zur Nivaagaard Malerisamling (Nivaagaard Collection) in Dänemark. Der nächste Schritt ist also die Abholung der Gemälde durch das Transportunternehmen, das sie nach Dänemark bringen wird. Jetzt heißt es: einpacken und los! Aber so schnell geht es nicht, denn die Transportbedingungen der einzelnen Leihgaben wurden vertraglich genauestens festgehalten. Die empfindlichen historischen Gemälde erfordern die strikte Einhaltung klimatischer Bedingungen, um keinen Schaden zu nehmen. Das gilt auch während des Transports. Deshalb wurden für einige Bilder passgenaue Transportkisten angefertigt. Diese sogenannten „Klimakisten“ werden schon einen Tag vor der Abreise in die klimatisierten Ausstellungsräume gebracht und dort geöffnet. Erst nach dieser Akklimatisierung können die Kunstwerke verpackt werden. So bleiben Temperatur und Luftfeuchtigkeit während des Transports in den dicht verschlossenen Kisten konstant und das Schadensrisiko wird minimiert.

Und dann sind die Säle auf einmal ganz leer. Ein Anblick, der schwer vorstellbar ist, wenn man hier noch vor wenigen Tagen die Ruhe der dänischen Natur inmitten der Kunstwerke spüren konnte. Das Einzige, was jetzt an die Gemälde erinnert, die gerade noch diese Räume ausfüllten, sind die Bohrlöcher der Hängung in den Wänden.
Keine Zeit für Sentimentalitäten, der Umbau geht weiter. Schließlich muss zur Eröffnung alles fertig sein. Also heißt es: Löcher zuspachteln, damit die Maler*innen loslegen können. Die Wandfarben hat Museumsdirektorin und Kuratorin der Ausstellung „Mittsommer! Stimmungslandschaften des Nordens 1880–1920“ Prof. Dr. Ulrike Wolff-Thomsen natürlich passend zu den Bildern ausgesucht. Zarte Blau- und Grüntöne verbreiten die stimmungsvolle Atmosphäre der nordischen Sommer.
Eigentlich könnte man annehmen, dass jetzt alles automatisch weiterläuft. Die Gemälde, die gezeigt werden sollen, sind ausgewählt. Der Transport der Leihgaben der Familie Fielmann ist organisiert. Was wo hängt und welche Farbe die Wände haben, wurde schon im 3D- Simulationsprogramm festgelegt. Auch die Wandtexte sind bereits auf farbige Tapete gedruckt worden.
Nach einer Trocknungsphase der Wandfarbe kommen endlich die langersehnten Leihgaben im MKdW an. Wieder schreiten Frau Simmert und Herr Freitag ans Werk, erneut wird alles sorgfältig protokolliert. Dem Plan aus dem Simulationsprogramm folgend, können die Gemälde direkt in die vorhergesehenen Säle gebracht werden. Dort warten sie auf Schaumstoffkissen an die Wand gelehnt auf den letzten Feinschliff ihrer Platzierung. Das geht manchmal ganz schnell: Dieses Werk noch ein wenig nach links, das andere etwas nach rechts und fertig ist die Wand. Da macht sich die monatelange Planung deutlich bemerkbar und es wird langsam mittsommerlich in den Ausstellungsräumen.

Trotz der genauen Vorbereitungen gibt es aber Situationen, in denen man Pläne über den Haufen werfen muss. Zum Beispiel wenn eine Wand einfach nicht gelingen will. Welche Bilder hängen nebeneinander? Sind sie sich zu ähnlich? Wirkt es eintönig oder werden gerade in diesem Vergleich die feinen Unterschiede deutlich? Sind vielleicht doch zu viele Bilder an einer Wand? Was nehmen die Besuchenden zuerst wahr, wenn sie die Ausstellung betreten? Um in dieses Fragenchaos Ordnung zu bringen, hilft nur eins: Ausprobieren. Also werden ein paar der Gemälde, die immer noch nur gegen die Wand gestützt auf dem Boden ruhen, getauscht und verschoben. Dabei muss man sich vorstellen – und das ist gar nicht so leicht –, wie das Gesamtbild aussehen könnte, wenn die Kunstwerke tatsächlich an der Wand hängen. Um der Ausstellung das kuratorische Sahnehäubchen aufzusetzen, nimmt sich die Direktorin für diesen Schritt auch in dem sonst so hektischen Umbau gerne die nötige Zeit.

Sobald alle Bilder platziert sind und die Abstände ausgemessen wurden, kann es endlich losgehen: Die Hängung der Bilder beginnt! Die Museumstechniker sind sehr erfahren im Umgang mit historischen Kunstwerken. Alles wird nur mit Handschuhen angefasst. Im MKdW werden Gemälde von der Bildmitte ausgehend auf einer Höhe von 1,40/1,50 Metern gehängt. So sind die Werke angenehm zu betrachten und wirken an den hohen Wänden der Säle harmonisch. Gemälde für Gemälde fügt sich die Ausstellung zusammen, die die Besuchenden des Museums Kunst der Westküste die skandinavischen Sommer um 1900 erleben lässt. Sind schließlich auch alle Wandtexte an ihren Platz, folgt das letzte Detail: das Licht. Durch die präzise Ausrichtung der Beleuchtung werden die Gemälde optimal präsentiert.

Nach der zweiwöchigen Umbauphase ist es also so weit: Die Ausstellung „Mittsommer! Stimmungslandschaften des Nordens 1880–1920“ kann feierlich eröffnet werden. Als die Gäste zur Eröffnungsrede in den ersten Ausstellungssaal strömen, kann sich wohl kaum jemand vorstellen, dass hier vor nicht einmal fünf Tagen noch kein einziges Werk an den Wänden hing. Doch das eingespielte Team hat es geschafft, die Schau so wirken zu lassen, als wäre sie schon immer da gewesen.
Hannah Winkler, Praktikum im MKdW vom 12. Mai bis 4. August 2025
