Als Artist in Residence des MKdW machte sich die Berliner Fotografin Constanze Flamme im Februar und März 2026 auf die Suche nach den unterschiedlichen Gesichtern der Insel Föhr: Nach solchen, die vielleicht erwartungsgemäß waren und ebenso nach solchen, die überraschend wirkten – für die Fotografin selbst wie uns.
Unter den Aufnahmen, die Flamme auf Föhr sowie auf den benachbarten Halligen gemacht hat, finden sich daher sehr unterschiedliche Motive: Da sind drei Frauen in Tracht in den Dünen zu sehen, alle schauen in verschiedene Richtungen und bilden doch eine Einheit. Ein anderes Foto zeigt eine junge Frau mit träumerisch geschlossenen Augen und knallroten Haaren, die im Wind flattern. Im Hintergrund verschwimmen Himmel und Strand zu einem sanften Farbverlauf. Neben Aufnahmen von Stränden und Dünen stehen Bilder von Schäfern bei der Arbeit, verlassenen Hütten im Wald oder, Überraschung, Weinanbaufeldern auf dem platten Land. Mit den lodernden Biike-Feuern, die ebenfalls nicht fehlen, kehrten auch die ersten Gäste auf die Insel zurück.
Flamme studierte Visuelle Kommunikation an der Fachhochschule Potsdam sowie Fotografie an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam. Eine zentrale Rolle in ihren künstlerischen Projekten spielen Fotodokumentationen, in denen sie Landschaften und den Menschen nachspürt, die sich in ihnen bewegen.
Wie prägt die Landschaft den Menschen, aber wie prägt umgekehrt der Mensch den Raum, in dem er oder sie zu Hause ist? Porträt kann bei Flamme beides heißen: das Antlitz einer Person ebenso wie das Gesicht einer Landschaft. Ein wichtiger Bezugspunkt ihrer Arbeit ist der berühmte, 144 Tafeln umfassende Bildband „Die Halligen“ des deutschen Fotografen Albert Renger-Patzsch, den dieser 1927 – also vor beinahe 100 Jahren – vorlegte. Die Einführung zum Band klingt überraschend aktuell, hier ein Auszug:
„Heute hier, morgen dort, man hat keine Zeit, sich etwas einzuprägen. Flüchtige Begegnungen mit Menschen […]. Man hat den Dingen, den Erscheinungen der Tage nicht ins Gesicht gesehen. Man hat sich das Antlitz der Landschaft nicht eingeprägt. Dabei ist dieses Gesicht genauso eindringlich wie das eines Menschen. […].“ (Albert Renger-Patzsch, Die Halligen. Geleitwort von Johann Johannsen. Unter Mitwirkung von Dr. Carl Häberlin, S. VII).
Eine erste Auswahl ihrer Aufnahmen zeigt Flamme im Sommer unter dem Titel „Where the Map Dissolves“ auf dem Fotofestival 2026 in der polnischen Großstadt Łódź.
