Im November 2025 besuchte uns der dänische Künstler Lars Waldemar. Im Grunde war es ein Besuch von Insel zu Insel: Auch wenn Waldemar heute in Esbjerg lebt, stammt er gebürtig von Fanø und fühlt sich der nördlichsten nordfriesischen Insel bis heute sehr eng verbunden.
Die Formenwelt der Natur – verbunden mit einer ausgeprägten eigenen Fantasie und einem ebensolchen Gestaltungswillen – ist das zentrale Thema im Oeuvre des dänischen Künstlers, der sich irgendwo zwischen Bildhauerei, Grafik und Konzeptkunst bewegt.
Auf Föhr hat Lars Waldemar an unterschiedlichen Orten fotografiert und diese Bilder anschließend verfremdet: In den daraus neu entstandenen Zeichnungen und Objekten werden die natürlichen Formen und Farben der Natur in schematische Farbverläufe und geometrische Raster übertragen – das wirkt überraschend neu, aber irgendwie auch vertraut. Formen übertragen, variieren, ein wenig Neues dazu erfinden und damit neue Zusammenhänge eröffnen – das scheint ein Ansatz des Künstlers zu sein.
In diesem Sinne lässt sich auch das zweite auf Föhr umgesetzte Projekt verstehen: In kleinen Plastikbehältern, ursprünglich alten Pillendosen, drängen sich dicht an dicht viele kleine Gipsförmchen. Vermeintlich sind es Nachbildungen realer Naturobjekte, doch bei näherem Hinsehen erkennt man die künstlerische Fantasie, die hinter jeder Form steckt. In seinem Artist Statement, das seinem jüngsten Katalog vorangestellt wird, äußert sich Waldemar mit Blick auf seine Arbeit: „Es entstehen neue Materialien, neue Kontexte und Ausdrucksformen, aber ganz einfach ausgedrückt ist es hauptsächlich eine Untersuchung dessen, was wir als natürlich wahrnehmen“ [Ausst.-Kat. Lars Waldemar, Punctaria neglecta, hrsg. v. Museumsberg Flensburg, Flensburg 2025]. Lars Waldemar hegt den Wunsch, Kunstwerke an verschiedenen Orten entlang der Westküste entstehen zu lassen – vom Norden Dänemarks bis in die südlichen Niederlande –, und diese dann gesammelt auszustellen.
