Melanie Wiora (* 1969 in Waiblingen) lebt und arbeitet in Köln. Nach ihrem Studium der Malerei und Grafik an der Kunstakademie Karlsruhe studierte sie Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Die Künstlerin setzt sich mit Landschaft und Natur und unserer Beziehung zu ihnen auseinander. In ihren Fotografien und Videos lotet sie aus, wie Bilder beschaffen sein müssen, damit sie über eine reine Abbildung hinausreichen.
Was ist es dann, was wir sehen?
Der Kunsthistoriker und Kurator Christian Krausch beschreibt es so:
„Nimmt man sich Zeit und verlässt dazu die vertrauten Wege des Erkennens, öffnen sich ganz eigenwillige Bilder, die von der Natur und ihrer im Prinzip kaum zu erfassenden Dimension berichten. Sie lassen etwas zutage treten, das sonst nicht sichtbar ist, da es die unüberschaubare Veränderbarkeit von Natur benennt. […]
Das, was die Künstlerin für die Betrachtung freigibt, erscheint fremd und neu, da es sich absichtlich nicht schnell vereinnahmen oder auch konsumieren lässt. […] Es ist diese ,innere Sicht‘, gekoppelt an die Frage, wie ein verändertes Bild der Welt mehr über das Motiv vermitteln kann als lediglich sein naturgetreues Abbild, die Melanie Wiora konsequent verfolgt.“
Auf Föhr reizten die Künstlerin die Allgegenwart flüchtiger Licht- und Wetterphänomene ebenso wie das unmittelbare Aufeinandertreffen von Himmel und Wasser, welches sie fotografierte, skizzierte und malerisch einfing. Auf ihren Erkundungen der Insel stieß Wiora zudem auf natürlich kleine Fundstücke, die ihre Aufmerksamkeit erregten. Im Atelier begann sie, diese mit ihren malerischen Skizzen zu kombinieren und zu fotografieren. Dabei entstanden Bilder spielerisch anmutender Stillleben, die um die Themen Veränderung, Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit kreisen.
Während ihrer zweiten Residency hielt die Künstlerin die Besonderheiten der sich im schnellen Wandel befindenden Künstenlandschaft Föhrs in eindrücklichen Momentaufnahmen fest. In ihrer Fotoserie „Eyescapes“ fotografierte sie im Augenblick des Sehens die sich auf ihrem Auge spiegelnden Landschaften. Durch die Brechung auf der Linse sind die Bilder verzerrt und in ihrer Räumlichkeit verändert. Die vom oberen Bildrand hereinragenden Lider und Wimpern, ebenfalls Spiegelungen, eröffnen den Bildraum. Die Farben der Iris und der Pupille überlagern teilweise das Gesehene. Die Landschaften sind einem vertraut und dennoch ist der Kontext so unbestimmt, dass man sich genauer erinnern möchte. Das Auge wird für den Betrachter zum Fenster zur Welt.
