Berufswunsch Museum? Go for it!

Macht die Arbeit im Museum Spaß? Wenn du das herausfinden möchtest, bist du hier genau richtig: Unsere neue Blogstory-Serie „Berufswunsch Museum“ zeigt dir, welche Möglichkeiten es gibt, um den Mitarbeitern des MKdW einmal über die Schulter zu blicken!

Im ersten Teil erzählt Charlotte von ihren Erlebnissen während ihres – eigentlich – vierwöchigen Praktikums im PR & Marketing-Team des MKdW. Und schon nächste Woche geht es weiter! Dann schildert Lea, was es heißt, ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Kultur zu absolvieren und warum sie sich dafür die Kunstvermittlung des MKdW ausgesucht hat.

 


 

„Und was macht man dann später damit?“

Im Museum auf der Suche nach dem richtigen Beruf

 

Die auf Familienfeiern häufig gestellte Frage „Was machst du jetzt eigentlich?“, auf die in den meisten Fällen die Frage „Und was macht man dann später damit?“ folgt, schafft es, die Situation in Rekordzeit sehr unangenehm werden zu lassen. Denn – seien wir mal ehrlich – zumindest auf die zweite Frage wissen die meisten Studenten noch keine wirklich zufriedenstellende Antwort. Auf die erste Frage lautet die Antwort in meinem Fall: „Ich studiere Germanistik und Linguistik in Düsseldorf.“ Die Frage, was ich später damit machen möchte, finde ich durchaus berechtigt und nachvollziehbar. Denn, wie meine Familienangehörigen, stelle auch ich mir eben diese Frage. Es ist nicht so, dass ich keine Berufsoptionen für später hätte, das Berufsfeld ist lediglich weiter gefasst als beispielsweise bei einem Studium mit dem Ziel Lehramt.

 

Die Frage nach meiner beruflichen Zukunft beschäftigt mich daher nicht nur auf Familienfeiern, sondern auch generell. Ein mögliches Berufsfeld, das ich während meiner Recherchen gefunden habe, ist der PR-Bereich. Zu diesem Fund kamen zwei weitere Faktoren hinzu: Zum einen habe ich schon immer gerne Museen besucht und mit der Berufssuche kam auch das Interesse an den Tätigkeiten innerhalb eines Museums hinzu. Zum Anderem liebe ich die Insel Föhr, die ich schon seit meinem zweiten Lebensjahr kenne. Was liegt da näher als ein Praktikum im Museum Kunst der Westküste (MKdW)?

 

Also führte mich nun der Wunsch nach einer besseren Antwort auf die Familienfeier-Frage, genauso wie meine Inselliebe und Neugier auf einen Blick hinter die Kulissen eines Museums zum Fähranleger nach Dagebüll. Die Sonne scheint und ich bin voller Zuversicht und Freude auf mein einmonatiges Praktikum. Ein Monat auf der Insel, ein Monat im PR-Bereich des MKdW. Es kann losgehen!

 

Mit der Fähre über das Wattenmeer

 

Die Fährfahrt – ruhiger als gedacht bei dem stürmischen Wind – beginnt und ich komme der Insel und auch meinem Praktikum näher. Auf Föhr und am Museum angekommen, werde ich von Frau Dr. Morsbach, die unter anderem den Kommunikationsbereich des MKdW leitet, in Empfang genommen. Sie führt mich durch die Museumsverwaltung und zeigt mir schließlich die Wohnung, in der ich für einen Monat untergebracht bin. Diese teile ich mir mit der derzeitigen FSJlerin, die mich gleich einlädt, mit ihr und einer Freundin Pizza zu essen. Es wird ein sehr lustiger Abend, an dessen Ende ich müde und glücklich ins Bett falle.

 

Am nächsten Tag beginnt das Praktikum und ich lerne nun alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen. Meine Hauptaufgabe im Praktikum ist die Erstellung des Pressespiegels. Ein Begriff, den ich vorher noch nie gehört hatte – also für die, denen es genauso geht, hier eine kurze Erklärung: Bei einem Pressespiegel werden alle Anzeigen, Artikel und Berichte über das Museum zusammengetragen und mit den Informationen „wo wurde es veröffentlicht“ und „wann?“ versehen. Neben dieser Aufgabe übernehme ich weitere kleinere Aufgaben, wie beispielsweise Korrekturlesen, Daten aus Museumskatalogen für den Onlineshop herausfiltern oder eine Reiseverbindung für einen „Artist in Residence“ herraussuchen. Außerdem habe ich die Möglichkeit, an Führungen durch die Ausstellungen und Workshops teilzunehmen. Es ist spannend, mehr über die Künstler und ihre ausgestellten Werke zu erfahren. Ich fühle mich wie einer der Schwämme, mit dem wir bei einem Workshop eine Unterwasserwelt gestaltet haben, nur dass ich keine Farbe oder Wasser aufsauge, sondern Wissen. Neben Führungen darf ich auch Besprechungen sowie Treffen mit Journalisten beiwohnen und so meinen Blick hinter die Kulissen erweitern.

 

In meiner zweiten Woche werde ich mit ins Depot genommen, wo die Bilder hängen, die gerade nicht ausgestellt werden. Das Betreten dieses Ortes ähnelt dem Eintreten in eine Schatzkammer, oder zumindest stelle ich mir das so vor. Dort lerne ich, wie man bei der Lagerung der Kunstwerke vorgeht und was beachtet werden muss. Aspekte, über die ich mir bis zu diesem Zeitpunkt noch nie Gedanken gemacht habe, wie beispielsweise die Raumtemperatur, die konstant eingehalten werden muss. Im Anschluss daran habe ich die Möglichkeit, mich an einer kurzen Bildbeschreibung, wie sie für Ausstellungskataloge benötigt wird, zu versuchen. Es ist ziemlich kniffelig, ein Bild kurz und bündig zusammenzufassen und dabei die Komposition, das Motiv und die Stimmung zu beschreiben, aber auch noch etwas Hintergrundwissen zu dem Künstler und der jeweiligen Zeit einfließen zu lassen. So war diese Arbeit ebenfalls mit Recherchen zu dem Künstler und seinen Werken verbunden. Es war sehr interessant, sich so eingehend mit einem Gemälde zu beschäftigen, zu schauen, was genau gezeigt wird und was das Bild bei dem Betrachter auslöst. Danach unterstütze ich die Erstellung des Veranstaltungskalenders, indem ich kleinere Aufgaben übernehme.

 

Praktikantin Charlotte und FSJlerin Lea am Strand von Föhr

 

Und was gibt es außerhalb des Museums zu tun?

 

Meine Mitbewohnerin geht zum Gospelchor, der sich jeden Donnerstag in Wyk zum Proben trifft, und fragte mich gleich zu Beginn meiner Zeit auf Föhr, ob ich sie nicht begleiten wolle. Ich singe gerne, jedoch ist meine Freude am Singen größer als mein Talent. Deshalb ist ein Chor durchaus praktisch, da auch leises Singen Spaß macht. Jedoch war ich das letzte Mal in der Grundschule in einem Chor und generell noch nie in einem Gospelchor, was mich etwas unsicher und skeptisch stimmte. Trotz dieser anfänglichen Skepsis war ich nach der Chorprobe hellauf begeistert und begann schon zu überlegen, wo ich Zuhause nach einem Gospelchor suchen kann. So ist der Donnerstagabend verplant, aber was macht man mit der restlichen freien Zeit auf der Insel?

 

Ehrlich gesagt, habe ich hier kein Problem mit Langeweile, worüber ich mir im Vorfeld etwas Sorgen gemacht hatte. Ich mache Strandspaziergänge, lese in Cafés, eine Beschäftigung, der ich vorher, wie ich nun feststellen musste, viel zu wenig Wertschätzung entgegengebracht habe, aber in einem Café mit Blick auf das Meer sitzend, liest es sich eben besonders gut. Zu meiner großen Freude hat auch die Eisdiele in Nieblum bereits geöffnet und ich hatte ganz vergessen, wie gut das Eis dort schmeckt. Eine bereits sehr bekannte Empfehlung ist der Kuchen im Kliff-Café, den ich nun endlich einmal ausprobieren wollte und so sind meine Mitbewohnerin und ich von Nieblum aus am Strand entlang zum Café gelaufen. Ein Vorhaben, das ich eher bei gutem Wetter empfehlen würde, aber es hat auch seinen Reiz, diesen Spaziergang bei bewölken Himmel mit gelegentlichen Regenschauern zu unternehmen. Neben diesen Unternehmungen sitze ich auch gerne in unserer Küche und schreibe beispielsweise diese Blogstory oder lese in meinem Buch.

 

Am Ende meiner zweiten Woche im Museum haben sich die Ereignisse überschlagen. Infolge der raschen Ausbreitung des Coronavirus mussten zuerst alle Workshops und Führungen abgesagt werden. Dann, am Wochenende, musste das Museum schließen und die Sperrung der Insel für Touristen wurde bekanntgegeben. Auch das MKdW musste seiner Verantwortung nachkommen und so haben wir gemeinsam entschieden, das Praktikum leider viel zu früh zu beenden. Aufgrund der begrenzten Kapazitäten im Wyker Krankenhaus und weil ich in einer Zeit wie dieser lieber in der Nähe meiner Familie sein möchte, habe ich schweren Herzens den Entschluss gefasst, nach Hause zu fahren.

 

Dennoch: Einer Antwort auf die oben genannte Familienfeier-Frage und meinem Berufswunsch bin ich nach den zwei Wochen definitiv schon näher gekommen. Ich hatte eine wunderbare Zeit im Museum und auf der Insel, für die ich mich beim gesamten Museums-Team noch einmal bedanken möchte und hoffe, dass wir uns bald wiedersehen.

 

Charlotte Wienstroth, Düsseldorf

 


 

Wir freuen uns auf Ihre/Deine Bewerbung um ein Praktikum

 

Das Museum Kunst der Westküste versteht sich als außerschulischer Lernort, der alle gesellschaftlichen Gruppen und Altersstufen erreichen möchte. Dieser Bildungsauftrag richtet sich an SchülerInnen und StudentInnen, Jugendliche und junge Erwachsene, die sich mit Blick auf ihren Schulabschluss oder im Rahmen eines geisteswissenschaftlichen Hochschulstudiums bzw. eines Betriebspraktikums beruflich orientieren und dabei die vielfältigen Aspekte der Museumsarbeit näher kennenlernen sowie in einem Team ihre Stärken erproben möchten. Die Dauer eines Praktikums richtet sich bei SchülerInnen nach den schulischen Vorgaben. Bei einem Praktikum für Studenten liegt die Dauer in der Regel bei acht bis zwölf Wochen; individuelle Absprachen sind möglich.

 

BEWERBUNGEN

Schriftliche Bewerbungen richten Sie bitte mit den üblichen Unterlagen (gerne auch per E-Mail) an die folgende Anschrift:

 

Det Paulsen Legaat gemeinnützige GmbH

Museum Kunst der Westküste
Rainer Roeloffs

Hauptstraße 7
25938 Alkersum/Föhr
rr@mkdw.de
+49(0)4681 74740-12