Berufswunsch Museum? Go for it!

Macht die Arbeit im Museum Spaß? Wenn du das herausfinden möchtest, bist du hier genau richtig: Unsere Blogstory-Serie „Berufswunsch Museum“ zeigt dir, welche Möglichkeiten es gibt, um den Mitarbeitern des MKdW einmal über die Schulter zu blicken!

Heute erzählt Lea von ihren Erfahrungen während ihres Freiwilligen Sozialen Jahrs Kultur in der Kunstvermittlung des MKdW. Nächste Woche gibt's dann was für Fortgeschrittene: Dann berichtet Klara, was sie als wissenschaftliche Volontärin am MKdW gelernt hat, und warum es sich lohnt, dafür bis an das andere Ende Deutschlands, nach Föhr, zu ziehen!

 


 

Mein FSJ Kultur im MKdW

 

Moin, ich heiße Lea Schäper und lebe seit September auf der Insel Föhr, wo ich mein FSJ Kultur im Museum Kunst der Westküste (MKdW) absolviere. Aktuell ist das Museum aufgrund der Virus-Problematik geschlossen, sodass ich in den letzten Wochen viel Zeit hatte, die vergangenen Monate Revue passieren zu lassen.
Doch fangen wir von vorne an.

 

Vor gut einem Jahr habe ich in Achern (Baden-Württemberg) mein Abitur gemacht und wurde danach von allen Seiten gefragt, wie es denn jetzt für mich weitergehe. Da ich allerdings noch keine genaue Vorstellung von meiner beruflichen Zukunft hatte, wollte ich nicht vorschnell eine Ausbildung oder ein Studium beginnen. Stattdessen habe ich mir überlegt, mich für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Kultur und Bildung zu bewerben. Schon immer habe ich gerne mit meiner Familie und mit Freunden Theater und Museen besucht, also lag diese Orientierung für mich nahe.
Zuerst habe ich mich an Kultureinrichtungen in meiner Heimat beworben, bevor ich die Ausschreibung des Museums Kunst der Westküste (MKdW) entdeckt habe. Ein Jahr komplett aus meinem bisherigen Alltag heraustreten und auf einer Nordseeinsel leben und arbeiten klang für mich verlockend. Da ich aus einem 2000-Einwohner-Dorf stamme, dachte ich eigentlich, dass es nicht mehr viel kleiner geht. Während meines ersten Besuchs auf Föhr (für mein Vorstellungsgespräch) hat mich Alkersum mit seinen knapp 400 Einwohnern vom Gegenteil überzeugt. Trotzdem war ich bereit, mich in das Abenteuer Inselleben zu stürzen. Außerdem: So klein das Dorf selbst auch sein mochte – immerhin gab es hier ein sehr interessantes und auch überregional bedeutendes Museum! Das hat mich sehr beeindruckt.
So kam es, dass Ende August Koffer und Fahrrad eingepackt wurden und es gen Norden ging. Meine Eltern haben mir beim Bezug der Wohnung geholfen, die mir freundlicherweise vom Museum gestellt wird.
Nachdem meine Familie wieder abgereist war, habe ich mir natürlich ein paar Gedanken gemacht, wie es so alleine auf der Insel wird. Aber mir wurde schnell bewusst, dass ich gar nicht alleine bin, denn ich wurde von allen Seiten sehr freundlich aufgenommen.

 

Kinderworkshop in der Ausstellung See Stücke. Fakten und Fiktion
im Hintergrund: Nasan Tur: Sea View, 2016, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

 

Schwerpunktmäßig arbeite ich mit Sylvia Haumersen im Bereich der Kunstvermittlung, den sie leitet. Workshops für Feriengäste und Schulklassen stehen auf der Tagesordnung. Gemeinsam bereiten wir die anstehenden Workshops vor und ich unterstütze Sylvia bei der Durchführung. Dabei fällt auf, wie unterschiedlich doch jede Klasse und Teilnehmergruppe ist. Während sich Kinder meist schnell für die Kunst und die ihnen gestellten Aufgaben begeistern lassen, brauchen manche Erwachsene etwas länger, um warm zu werden und sich kreativ auszutoben. Am Ende verlassen sie aber dennoch glücklich die Werkstatt, und das ist sehr schön, mitzuerleben.
Ein eigenes Projekt zu planen und umzusetzen gehört zu jedem FSJ. So hatte ich mir vorgenommen, gemeinsam mit zwölf Schülern der Dänischen Schule in Wyk (Vyk Danske Skole) einen Museumsrundgang zu erarbeiten. Insgesamt drei Bilder aus der aktuellen Ausstellung “Seestücke - Von der Romantik bis zur klassischen Moderne” sollten die Schüler den Besuchern vorstellen. Dabei werden erwachsene Besucher eingeladen, Kunstwerke einmal durch die Augen eines Kindes zu betrachten und somit einen ganz anderen Perspektive einzunehmen. Nun hoffe ich, dass die Corona-Krise bald bewältigt werden und das Projekt im kommenden Mai wie geplant stattfinden kann. [Anm. d. Red.: Leider stellt sich mit der Fortdauer der Corona-Krise heraus, dass das Projekt aktuell weder in der geplanten, noch in einer abgewandelten Form stattfinden kann. Wir bedauern das sehr und werden das Vorhaben in der Zukunft sicher noch umsetzen]

 

Wenn keine Workshops stattfinden oder ich nicht mit Vorbereitungen für mein Projekt beschäftigt bin, helfe ich im Museum in der Aufsicht oder in der Museumsverwaltung bei den unterschiedlichsten Aufgaben aus. Das können Versandarbeiten, aber auch tatkräftige Hilfe beim Aufbau der neuen Ausstellung sein. Durch meine Mitarbeit in den unterschiedlichsten Tätigkeitsbereichen habe ich Gelegenheit, den Museumsbetrieb von vorne bis hinten kennenzulernen. Und dazu gehören auch Aufgaben, die man sich vorher nicht hätte erträumen lassen! So zum Beispiel durfte ich auch im Depot schon einmal mit anpacken, und ehe ich es mir versah, hielt ich eine Arbeit von Max Liebermann und Emil Nolde in meinen Händen! Natürlich ganz vorsichtig mit Schutzhandschuhen – auch das habe ich dazugelernt.

 

Feierabend: Bei Sonnenuntergang am Nieblumer Strand

 

Mein Inselleben beschränkt sich aber nicht nur auf die Arbeit im Museum oder die Freizeit am Strand. Ich habe unter den Kolleginnen auch Freunde gefunden, und darunter auch solche, die mich zum Mitsingen im Wyker Gospelchor bewegt haben oder mir den Jahrmarkt in Wyk gezeigt haben – das wohl wichtigste, gesellschaftliche Event auf der Insel! Da kommt Langeweile gar nicht erst auf!

 

Manchmal führt mich mein FSJ Kultur aber auch zurück auf das Festland, denn neben den Tätigkeiten im Museum stehen auch regelmäßige Seminare auf dem „Lehrplan“. Das Treffen meiner Seminargruppe findet auf dem Scheersberg statt und ist immer wieder ein Highlight. Die Kurse helfen dabei, uns selbst, aber auch uns untereinander besser kennenzulernen. So bin ich bei der Auftaktveranstaltung in Kiel zum allerersten Mal Menschen begegnet, die jetzt zu meinen engen Freunden gehören!

 

Die Hälfte meines FSJ Kultur und meiner Zeit auf Föhr ist inzwischen vorbei und ich habe mich gut auf der Insel eingelebt. Dazu gehören auch Fahrrad fahren bei Wind und Wetter und, wie die Menschen hier sagen, der gelegentliche Schnack. Aber es stehen noch einige Dinge auf meiner To-Do-Liste für Föhr – und so freue ich mich sehr auf die kommenden Monate und hoffe, dass sie ebenso viele positive Erfahrungen und Erlebnisse bereithalten wie die vergangenen!

 

Lea Schäper, Achern

 


 

Wir freuen uns auf Ihre/Deine Bewerbung

 

Die Tätigkeit im Rahmen des FSJ Kultur ist ein Freiwilligendienst. Ein Freiwilligendienst ist eine Form von Engagement. Du lernst/Sie lernen den Arbeitsalltag im Museum kennen und ihr engagiert euch/Sie engagieren sich in der Abteilung Kunstvermittlung. Wir sind offen für neue Ideen und bieten die Möglichkeit zur Planung und Umsetzung eines eigenen Projekts.

Das FSJ Kultur dauert in der Regel zwölf Monate und beginnt in jedem Jahr am 1. September. Als Voraussetzung gilt: Der/Die Bewerber muss die Vollschulpflicht erfüllt haben und darf nicht älter als 27. Jahre sein. Das FSJ Kultur für das Jahr 2020 ist schon vergeben - wir freuen uns aber auf eine Bewerbung für das kommende Jahr ab dem 1. September 2021!

 

BEWERBUNGEN

Schriftliche Bewerbungen richten Sie/richtest du bitte mit den üblichen Unterlagen (gerne auch per E-Mail) an die folgende Anschrift:

 

Det Paulsen Legaat gemeinnützige GmbH

Museum Kunst der Westküste
Rainer Roeloffs

Hauptstraße 7
25938 Alkersum/Föhr
rr@mkdw.de
+49(0)4681 74740-12

 

 


 

Abb. oben: 

Im Vordergrund: Miguel Rothschild, The Flood, 2015, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Im Hintergrund: Sven Drühl, S.D.G.M.I-III, 2018, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020