Berufswunsch Museum? Go for it!

Macht die Arbeit im Museum Spaß? Wenn du das herausfinden möchtest, bist du hier genau richtig: Unsere Blogstory-Serie „Berufswunsch Museum“ zeigt dir, welche Möglichkeiten es gibt, um den Mitarbeitern des MKdW einmal über die Schulter zu blicken!

Heute berichtet Laura von ihrem Praktikum im Museum Kunst der Westküste und ihrer Zeit auf Föhr.

 


 

 

Statt Finnland nach Föhr – Als Museumspraktikantin auf der Lieblingsinsel

 

Eigentlich hatte ich andere Pläne für meine letzten Sommerferien als Schülerin. Ich wollte nach Finnland auf eine Farm, Freiwilligenarbeit leisten, ein komplett anderes Land und eine andere Kultur kennen lernen und meine freie Zeit an einem See genießen. Doch das Coronavirus hat mir durch diesen Plan einen fetten Strich gezogen. Nach der ersten Frustration und Überlegungen, was ich stattdessen machen könnte, kam mir eine Idee, die ich schon vor längerem für die Zeit nach dem Abitur ausgeklügelt hatte: Ich wollte ein Praktikum im Museum Kunst der Westküste auf Föhr machen, auf einer Insel, die ich kenne, seit ich denken kann, und in einem Museum, das meine Familie und ich seit seiner Eröffnung 2009 fast jedes Jahr begeistert besuchen. Die Vorstellung schien mir perfekt, denn ich bliebe in Deutschland und könnte bei einem erneuten Ausbruch des Virus schnell wieder zurück nach Hannover. Ich würde meine Schulferien produktiv nutzen, etwas lernen und der Konkretisierung meines Berufswunschs „irgendetwas mit Kunst zu machen“ näher kommen – und all das mit freier Zeit und Urlaub am Meer verbinden.

 

Nirgendwo fühle ich mich wohler und entspannter als am Meer auf Föhr. Das war schon mein Leben lang so. Die Vorstellung, eventuell einen Monat auf meiner liebsten Insel verbringen zu können und die Museumsarbeit kennenzulernen, bereitete mir Herzklopfen!

 

Mit Sack und Pack, Fahrrad, Reiserucksack und Fahrradtaschen, habe ich mich also Ende Juli auf den Weg in die friesische Karibik gemacht. Auf die diesjährige Ausstellung SEE STÜCKE. Fakten und Fiktion war ich besonders gespannt. Ich bin ein großer Fan von zeitgenössischer Kunst und konnte es kaum abwarten, vor all den Fotografien, Installationen und Kunstwerken zu stehen.

 

Nun bin ich seit knapp drei Wochen auf Föhr und mein Praktikum ist schon fast vorüber. Die Zeit verfliegt und ich fühle mich pudelwohl. Alle Mitarbeiter sind unglaublich nett. Es ist etwas ganz anderes, nicht als Tourist, sondern zum Arbeiten auf die Insel zu kommen, Kontakt zu Einheimischen zu haben und ansatzweise kennen zu lernen, wie es wirklich ist, auf einer Insel zu leben. Außerdem ist es schon etwas ganz Besonderes, dass diese Insel mit ihren rund 8300 Einwohnern ein so hochkarätiges Museum besitzt!

 

Die Arbeit in der Museumspädagogik/Kunstvermittlung und in den anderen Bereichen, die ich bis jetzt kennenlernen durfte, ist sehr interessant und macht mir richtig Spaß. Dazu zählen die wissenschaftliche Mitarbeit oder auch der Marketing-Bereich sowie die Aufsicht in den Ausstellungsräumen des Museums.

 

Laura Baumbach

 

Ich bin 18 Jahre alt und werde nach den Ferien die 13. Klasse in Hannover besuchen. Schon immer wurde ich viel mit Kunst konfrontiert. Meine Mutter ist Kunsthistorikerin, was dazu führt, dass ich sowohl die guten Seiten dieses Berufs und des Studiums, aber definitiv auch die schwierigen und komplizierten Seiten kennengelernt habe. Es ist nicht einfach, eine feste Stelle zu finden, alle zwei bis fünf Jahre wieder eine weitere befristete Stelle annehmen zu müssen und ständig Ort und Institution beziehungsweise den Arbeitgeber zu wechseln.

 

In diesem Berufsfeld hängt vieles nicht nur mit Können und Wissen zusammen, sondern sehr viel damit, ein gutes Netzwerk zu haben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Denn es gibt für jeden Teilbereich dieses Berufs und Themenfelds immer andere genauso engagierte und ehrgeizige Kunsthistoriker oder Kunstwissenschaftler.

 

Ich selbst weiß nicht, ob ich mir diese Unsicherheiten „antun“ möchte. So sehr ich an Kunst interessiert bin, muss ich mich fragen: Ergibt es für mich Sinn, aus einem Hobby, einem starken Interesse, einen Beruf zu machen? Ich gebe zu, dass ich den Gedanken an ein Kunststudium, egal ob Kunstgeschichte, Kunstwissenschaften, freie Kunst oder „irgendetwas mit Kunst“, weiterhin sehr attraktiv finde, er in mir Vorfreude und Neugier befeuert, aber stelle auch fest, dass er mir Angst macht. Tatsächlich muss ich sagen: Ich habe große Lust Kunstgeschichte oder Kunstwissenschaften zu studieren!

 

Mein Praktikum im Museum Kunst der Westküste hat mir bei diesem Findungsprozess geholfen. Der Tag in der wissenschaftlichen Mitarbeit bei Katrin Maibaum und Katrin Petersen, an dem ich das Depot des Museums kennenlernen durfte und sehen konnte, wie Bilder lagern, wie sie behandelt und überprüft sowie gerahmt und in die Datenbank aufgenommen werden, hat mir großen Spaß gemacht. Schon in der Schule habe ich gern Haus- und Facharbeiten geschrieben, zu den vorgegebenen Themen und Künstlern im Leistungskurs recherchiert und die neuen Erkenntnisse auf Papier gebracht. Als ich mich mit Katrin Maibaum über ihre Berufslaufbahn und ihr Studium unterhalten habe, hat mich ihre positive Haltung beruhigt und in meinem eventuellen Berufswunsch bestärkt. Es ist gut, mit so vielen Leuten wie möglich über die eigenen beruflichen Interessen, Ideen aber auch Ängste zu sprechen und mitzubekommen, dass es viele Kunsthistoriker gibt, die zuerst Wege gegangen sind, die man sich bei diesem Berufsbild nicht unbedingt vorstellt. Im Museum Kunst der Westküste lassen sich die verschiedensten Persönlichkeiten und Werdegänge vorfinden. Alle sind irgendwo anders gestartet und am Ende hier gelandet. Manchmal ist der Weg nicht gerade, sondern holprig und kurvig.

 

Ich bin nun in diesen letzten Tagen meines Praktikums positiv und mutig gestimmt, das auszuprobieren, was mir Spaß macht und zu gucken, ob ich daraus etwas für die Zukunft machen kann. Mir ist klar geworden: Der Weg ist das Ziel! Wenn ich nun freie Kunst oder Kunstgeschichte studiere und meine Meinung sich doch noch ändern sollte: nicht schlimm. Dann wechsele ich den Studiengang und mache etwas anderes. Wichtig ist doch, dass ich mich nicht in 30 Jahren frage: „Was wäre gewesen, wenn ich damals mutiger gewesen wäre …“.

 

Ich stehe immer wieder vor den Werken – vor allem in der aktuellen

Ausstellung SEE STÜCKE. Fakten und Fiktion – und bin davon beeindruckt, wie sie mich in ihren Bann ziehen. Ganz besonders gern mache ich vor den Fotografien „Sea-Pieces I-IV“ von Yvon Chabrowski und der Installation „The Flood“ von Miguel Rothschild halt. Miguel Rothschild bringt regelrecht „ein 'Stück Meer' mittenrein in den Ausstellungsraum“.

 

Ausstellungsansicht: Miguel Rothschild, The Flood, 2015 © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

 

 

Bei beiden Kunstwerken habe ich das Gefühl, förmlich in das Wasser einzutauchen, die Wellen zu spüren und zu sehen und zu fühlen, was sich unter der Meeresoberfläche befindet. Ich finde es übrigens genauso spannend mitzubekommen, worauf sich die Besucher in den Ausstellungen freuen, vor welchen Bildern und Gemälden sie am längsten verharren und welche Rückmeldung sie untereinander und auch gegenüber uns als Mitarbeitern zu den verschiedenen Ausstellungen geben. So ist auch die Position „Aufsicht“ in den meisten Fällen gar nicht langweilig.

 

 

Workshop in der Museumswerkstatt

 

 

Bei den Workshops in der Kunstvermittlung hat man die Möglichkeit, sich noch einmal in die Kindheit hineinzuversetzen und die Kunst aus der Sicht der Kinder zu betrachten. Früher habe ich selber teilgenommen, jetzt stehe ich „auf der anderen Seite“. Jedes Kind, ob jünger oder älter, ist unvoreingenommen und fischt sich intuitiv die verschiedensten Aspekte und Inspirationen aus den Gemälden all der bereits verstorbenen oder noch lebenden Künstler heraus. Jedem Kind, Jugendlichen oder Erwachsenen fallen dabei verschiedene Teile einer Bildkomposition oder inhaltliche Aspekte auf. Alle haben andere Ideen zur Aussage der Werke. Diese gedanklichen Prozesse in Gesprächen und in der Werkstatt beim praktischen Arbeiten kennenzulernen, ist etwas ganz Spannendes. Oft stand ich am Ende eines Workshops vor den Bildern und habe gestaunt, was in der kurzen Zeit geschaffen wurde und welche Ideen viele Teilnehmer haben. Sie stehen dabei mit ihren eigenen Gedanken und kreativen Ideen immer im Mittelpunkt. Vielen Dank an Sylvia Haumersen, die mich die gesamte Zeit in ihrer Werkstatt und bei den Workshops willkommen geheißen hat. Es hat mir großen Spaß gemacht! Und auch ein großes Dankeschön an alle anderen aus der Aufsicht im Museum, sowie aus der Verwaltung, die mich offen und herzlich willkommen geheißen haben. Ich würde gerne länger bleiben und noch viel mehr kennenlernen!

 

Jetzt habe ich meine freie Zeit nicht an irgendeinem See in Finnland, sondern an der Nordsee auf Föhr verbracht. Und das war einfach herrlich!

 

Laura Baumbach, zurück in: Hannover
August 2020