Sophia Pompéry

31. August 2025 bis 28. September 2025
15. Juli 2022 bis 31. Juli 2022
24. Juli 2020 bis 22. August 2020
20. August 2019 bis 13. September 2019

Sophia Pompéry (* 1984) lebt und arbeitet in Berlin. An der Schnittstelle von Kunst, Physik und Philosophie transformiert sie Bekanntgeglaubtes, z.B. Haushaltsgegenstände, Landkarten und Messinstrumente in Parabeln. In experimentellen Versuchsanordnungen entstehen Fotografien, Objekte und Installationen: Die fotografische Langzeitbelichtung eines leuchtenden Kinderglobus setzt alles auf Null und lässt die Erde homogen weiß erstrahlen.

 

Sophia Pompéry: "Weather Chart", Ausstellungsansicht, Neue Nationalgalerie, 2014. Wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wird die Karte eines sonnigen Europas erst bei Sonnenschein durch lichtaktive Pigmente sichtbar.
 

Karten sind Werkzeuge des Denkens und so nutzt Sophia Pompéry den Aufenthalt auf Föhr zur Recherche in der am MKdW angesiedelten Foliantensammlung. Folianten, die Bücher im größtmöglichen Format, werden auch als 2° bezeichnet: Durch das Falten eines traditionellen römischen Pergamentbogens erhält man einen Folianten mit 2 Blättern.

 

Die Künstlerin beschäftigt gleichzeitig die Frage, welche Umwelteinflüsse die Insel verändern. Wieviel Meter Mee(h)r sind 2°C? Pompérys aktuelles Arbeitsvorhaben gilt dem Kräfteverhältnis zwischen physikalischen Gesetzen, Mensch und Umwelt. Die epochale Auswirkung des Klimawandels aus subjektiver Perspektive zu erfassen, ist existentiell, nur nahezu unmöglich. Diese Zerbrechlichkeit menschlicher Maßstäbe festzuhalten, ist das Ziel.

 

Im Spätsommer 2025 kehrte Sophia Pompéry erneut als Artist in Residence des Museums Kunst der Westküste auf die Insel zurück. Viel Zeit hat die Künstlerin dieses Mal in der Ferring Stiftung verbracht, die sich in direkter Nachbarschaft des Museums befindet. Die Stiftung erforscht die friesische Sprache, Geschichte und Kultur und hält sie lebendig aufgrund diverser Aktivitäten – sowie durch ihre gut ausgestattete Bibliothek. In den historischen Beständen suchte Pompéry nach alten Aufzeichnungen zum Deichbau, frühen Landkarten und Statistiken zum Meeresanstieg. Welche Rückschlüsse lassen sich im Umgang mit dem Klimawandel aus historischen Ereignissen und Katastrophen ziehen? Ein mehr denn je mahnendes Beispiel der Vergangenheit stellen die großen Überschwemmungen der Frühen Neuzeit dar, die als „Grote Mandränken“ in die Geschichtsbücher und das kollektive nordfriesische Bewusstsein eingingen. 

 

Doch waren es wirklich diese schrecklichen Schicksalsschläge, wie sie bis heute schaudernd kolportiert werden, oder vielmehr Verkettungen unterschiedlicher Ereignisse und falscher Entscheidungen? Wann war der Kipppunkt erreicht, der „point of no return“? Welche Rückschlüsse lassen sich für unsere heutige Situation ziehen? Und wie stellen sich diese Zusammenhänge schließlich aus künstlerischer Sicht dar?