Nächtliches Leuchten Meisterwerk der Sammlung in Wiesbaden

 

Nächtliches Leuchten in Norwegen – Ein Meisterwerk des MKdW in Wiesbaden

 

Mit der Ausstellung Mittsommernacht. Harald Sohlberg: Ein norwegischer Landschaftsmaler, die noch bis zum 27. Oktober im Museum Wiesbaden zu sehen ist, wird der norwegische Landschaftsmaler zum ersten Mal auf dem europäischen Festland mit einer Soloschau gewürdigt. Anlässlich seines 150. Geburtstages präsentiert die Retrospektive das breitgefächerte Lebenswerk des Malers und zeigt dessen künstlerische Entwicklung auf. Unter Rückbezug auf die romantische Landschaftsmalerei und unter dem Eindruck des Jugendstils fand er dabei zu symbolistischen Ausdrucksformen.

 

Zu seinen Hauptwerken zählt tatsächlich auch das 1910 entstandene Ölgemälde Aus der Gegend von Ranviken/Mittsommernacht aus der Sammlung des Museums Kunst der Westküste. Es ist das einzige, in einer deutschen Sammlung vertretene Werk Sohlbergs und nimmt daher in der Wiesbadener Retrospektive eine Sonderstellung ein!

 

Vom Standpunkt einer felsigen, bewaldeten Anhöhe aus zeigt das Gemälde eine von Küstenfelsen eingefasste Bucht, die sich mittig zum Meer hin öffnet. Dem Meereshorizont vorgelagert ragen je links und rechts zwei kleine Inselfelsen aus dem Meer, die ein kleines, zu einem Dreieck stilisiertes Segelboot flankieren, das im Bildzentrum auf dem Wasser ruht.

 

Der nahezu symmetrische Bildaufbau ist ausgewogen und bildet mit der im nächtlichen Dunkel nur schemenhaft angedeuteten, menschenleeren Küstenzone im Vordergrund einen zurückhaltenden, von Ruhe und Stille geprägten Rahmen für ein sich umso fulminanter entfaltendes Himmelsschauspiel: Strahlenförmig und in vielfältigen, intensiven Blautönen breitet sich das nächtliche Licht über dem Horizont aus und findet sein Echo in der spiegelnden Meeresoberfläche.

 

Im Zentrum dieses Schauspiels steht das Segelboot als einziges Zeichen menschlicher Existenz im Bild. Klein und unbedeutend steht es dem weiten Kosmos gegenüber und ruft im Betrachter, wie der Künstler selbst beschreibt, das Gefühl „eine[r] große[n] Melancholie, die hier oben in den nordischen halblichten Sommernächten oft über dem Meer liegen kann, wie ernste und herzliche, aber gedämpfte Musik“ hervor.

 

Das Werk reiht sich in eine Serie von Grafiken und Gemälden ein, die Sohlberg zwischen 1908 und 1911 schuf und in welchen er das Motiv der nächtlichen Küstenlandschaft sukzessive und experimentell weiterentwickelte. Im Kunstmuseum Wiesbaden sind diese Varianten nun versammelt und veranschaulichen die künstlerische Vielseitigkeit des Malers.

 

Während sich die symbolistische Orientierung des Malers in den früheren Werken der Serie in der Ausstattung von Naturelementen – insbesondere Felsklippen – mit menschlichen Zügen explizit offenbart, tritt sie in seinen späteren Arbeiten, zu denen auch das Bild aus dem MKdW gehört, nur indirekt durch den emotional-visionären Gehalt der Darstellung zutage.

 

Die späteren Fassungen beeindrucken insbesondere durch ihre enorme Strahlkraft. So auch das „Föhrer“ Gemälde: Dem kleinen Format zum Trotz, findet die ganze Magie mittsommernächtlicher Lichtstimmung hier einen Höhepunkt. Ein Besuch der kleinen, aber sehr feinen Schau im Museum Wiesbaden lohnt sich!

 

 

Mittsommernacht. Harald Sohlberg: Ein norwegischer Landschaftsmaler

Die Ausstellung ist noch bis zum 27. Oktober 2019 zu sehen.

https://museum-wiesbaden.de/mittsommernacht

 

Titelabbildung:

Harald Sohlberg: Aus der Gegend von Ranviken/Mittsommernacht, 1910, Öl auf Leinwand, 36 x 54 cm, Museum Kunst der Westküste, Alkersum/Föhr, Foto: Lukas Spörl.

 

Text: Klara Scheuren M.A., Wissenschaftliches Volontariat MKdW